Sommerloch — eine andere Art der Fotografie

Gibt es für einen Fotografen einen Unterschied beim Fotografieren ?

Diese Frage kann ich für mich persönlich mit einem klaren JA beantworten. Momente in Bilder einzufangen und sich dabei an einem Konzept oder einer Idee zu orientieren und nun sein Ziel entsprechend zu verfolgen, das ist für mich Fotografie. Alles andere ist Knipsen, wobei ich weder das eine noch das andere bevorzuge oder verfluche – man muss den für sich passenden Kompromiss eingehen.

Sommerzeit ist bei mir die Zeit in der ich mehrheitlich knipse. Es geht mir dabei um den Schnappschuss, darum einen Moment festzuhalten. Mein Anspruch liegt weder bei einer optimalen Belichtung des Bildes oder bei einem harmonischen Bildaufbau — es soll mir einfach als Erinnerung an den Moment dienen. Klar mache ich mir auch in diesen Momenten Gedanken über die Wirkung, die Aussage, den Bildschnitt, die Farben, meinen Einstellungen,… Aber was zählt ist der Moment. Mit diesen Knips-Bildern möchte ich meine Gedanken an den Moment festhalten und meine Gedanken unterstützen wie es war und wo ich war. Das sind Bilder die ich während den Ferien mache.

Grödner Joch

Seit diesem Sommer habe ich eine Sony DSC RX100 III. Diese kleine, kompakte Kamera überzeugt durch ihre inneren Qualitäten. Der EXMOR R CMOS Sensor liefert 20 Megapixel und das integrierte Zeiss Vario-Sonnar T Objektiv mit 24-70mm Brennweite überzeugt durch eine Blendenöffnung von F1.8 – 2.8. Auf den integrierten Sucher kann ich in diesem Moment der Fotografie sehr gut verzichten (obwohl die RX100 III darüber verfügt – man kann den Sucher ausklappen). Das neigbare Display ist hingegen sehr praktisch und möchte ich nicht missen. Durch die Grösse ist sie natürlich dabei wenn wir mit dem Motorrad unterwegs sind, da ist Platz beschränkt und meine Frau würde sich sicherlich nicht erfreut zeigen wenn sie auf was verzichten muss nur weil ich meine Nikon D4s mitnehmen will und dazu noch entsprechende Objektive). Es ist eben ein Unterschied ob man fotografiert oder knipst.

Nehmen wir als Beispiel das Bild oben. Würde ich es fotografieren wollen, würde ich mehr Zeit benötigen. Dann wäre mein Ziel den Motorradfahrer im Vordergrund schärfer abzulichten. Die Aufnahme oben entstand bei 24mm, ISO 125, 1/400 s. und f5.6 und ist eine Aufnahme ohne weiteren Versuch. Neben mir stehen alle Mitreisenden und warten bereits auf die Weiterfahrt – also ich habe nicht die Zeit und die Muse mich nun hier um die Fotografie zu kümmern – aber der Moment hat mir gefallen. Wäre ich nun an dem Ort gewesen um zu fotografieren, hätte ich vermutlich einen etwas tieferen Standpunkt gewählt um bei ähnlichen Einstellungen eine schnellere Verschlusszeit zu erreichen. Dann hätte ich nach der ersten Aufnahme gemerkt dass die Motorradfahrerin (ich glaube es war eine Frau) unscharf ist und den Umstand hätte ich korrigieren wollen. Also würde ich beim nächsten Versuch die ISO auf 250 verdoppeln was dann wiederum bei gleicher Blende von 5.6 eine Belichtungszeit von 1/800 s. ergeben wird. Damit würde der nächste Motorradfahrer dann sichtlich schärfer sein müssen. Aber der müsste dann auch zuerst kommen — man braucht dann eben Zeit und deshalb knipse ich in diesen Momenten.

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Das Bild oben entstand ebenfalls auf unserer diesjährigen Dolomiten-Tour. Die RX100 bietet eine Panorama-Funktion die ich wirklich sehr cool finde. Die Kamera erklärt jeden Schritt in Echtzeit und somit erübrigt sich ein Blick ins Handbuch für solche Funktionen. Mehr Zeit zum Geniessen und sich nicht bereits jetzt schon Gedanken machen ob man auch ausreichend Aufnahmen hat um dann in Photoshop ein Panorama zu stitchen.

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Und da stört mich auch mein doppeltes Doppelkinn nicht wenn ich einfach mit Freunden ein Selfie machen möchte. Ich knipse für mich und die Erinnerung an den Moment ist mir viel, viel wichtiger als das perfekte Bild. Mit dem 180° schwenkbaren Display der RX100 III kann man aber schon mal überprüfen ob dann auch alle Freunde auf dem Bild sind.

Sony DSC-RX100 III hinten

Mit Kollegen aus dem Fotoclub habe ich mich auch schon zu diesem Thema unterhalten. Wenn ich Fotografieren gehe, dann mache ich das entweder alleine, oder mit anderen Fotografen. Alleine muss ich auf niemanden Rücksicht nehmen und mit anderen Fotografen verbindet mich das ähnliche oder gleiche Verständnis für die Leidenschaft. So ist für mich heute klar, dass ich auf eine Städtereise mit Familie oder Freunden nicht zum Fotografieren gehe, dort knipse ich. In die Ferien nehme ich eine Kompaktkamera mit und knipse. Da will ich mich nicht stundenlang um den richtigen Spot kümmern, auf das richte Licht warten. Da möchte ich nur den Moment festhalten und mich daran erinnern und erfreuen.

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Wenn es hingegen um die Fotografie geht, dann ist es für mich nun etwas anderes. Nun versuche ich alles mögliche zu planen und vorzubereiten. Da versuche ich alle Eventualitäten frühzeitig zu erkennen um darauf entsprechen reagieren zu können. Hier habe ich vorher eine klare Vorstellung und ein Ziel das ich erreichen möchte. Das Resultat ist hier anderes.

So ist die Sommerzeit eben meine Knips-Zeit. Mit der RX100 III habe ich da eine nette Begleiterin die Spass macht und mit der ich auch gerne im Automatik-Modus arbeite. Jetzt möchte ich mich nicht um Kameratechnik kümmern, jetzt will ich den Moment geniessen. Einfach noch einen netten Schnappschuss dabei haben der mir in Jahren wieder in Erinnerung ruft wo wir waren.

In diesem Sinn wünsche ich euch noch einen schönen Sommer.

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