Portrait — ein Workshop der Leidenschaft

Heute stand ich im Spittelhof wieder als Kursleiter im Einsatz. Sieben Teilnehmer konnte ich begrüssen die sich alle zum „Portrait-Fotografie“ von mir was erzählen lassen möchten. Und ich habe ja immer was zu erzählen und so habe ich bei der Theorie bereits eine gute Stunde überzogen. Aber ich hoffe es war nicht zu trocken.

Grau ist jede Theorie, aber sie lässt sich mit vielen Beispielen etwas bunter gestalten und das ist mir wichtig. Die Teilnehmer sollen sehen was ich meine und so sind eben viele Bilder aus meiner Vergangenheit dabei. „Aha… jetzt sehe ich was gemeint ist.“ Aber ein Workshop lebt von der Praxis und da finde ich nichts schlimmeres als wenn ich einen Kurs zu dem Thema buche, ich selbst dann die Hälfte der Zeit als Model vor der Kamera stehen muss damit ein anderer Teilnehmer mit mir üben kann. Genau deshalb bin ich doch der Fotograf, damit ich mich hinter der Kamera befinden kann.

DSC07991_6201Nein, bei meinen Kursen möchte ich das nicht — und ich glaube die Teilnehmer haben das bisher immer geschätzt. Da habe ich grosses Glück — und bin überaus dankbar für ihren Einsatz — das ich immer auf „meine Models“ zählen kann. Sie sind da wenn ich sie brauche und machen einen super Job vor der Kamera. Gerade das ist für die unerfahrenen Fotografen und Fotografinnen sehr hilfreich. Aller Anfang ist nämlich schwer.

Die Technik ist noch ungewohnt, was soll ich einstellen, was war nochmal mit der ISO, warum ist die grosse Blende mit einer kleinen Zahl beschrieben. Man ist das kompliziert… und nun soll ich auch noch dem Model sagen was sie tun soll, welche Pose ich mir vorstelle, was für eine Bildidee ich habe. Oh je… to much.

DSC07982_6192Der Fokus liegt natürlich klar im Bereich der Freistellung der Person. Also eine offene Blendeneinstellung muss her. Dabei habe ich aber auch die Tücken erwähnt, wenn man mit einer Blende F1.4 oder ähnlichem am Werk ist. Der Schärfebereich muss aber sowas von rattenscharf sitzen — sonst ist das Bild eben höchstens NA JA 🙂 … und im oberen Beispiel ist es für mich eben ein Na ja — die max. Schärfe liegt nämlich auf der Augenbraue und nicht auf dem Auge. Also wer den Fokuspunkt nicht genau trifft der verliert.

Ja, aber nicht jeder hat ein lichtstarkes Objektiv in seinem Fundus. Wie mache ich das dann mit der Unschärfe im Hintergrund ? Es geht — die Lösung dabei heisst — Brennweite. Also wer „nur“ ein 18-200mm hat und dabei eine min. Blende von F5.6 oder F6.3 einstellen kann für den heisst es zoomen. Also weiter weg vom Model, mehr Brennweite und dann klappt es auch hier mit der Unschärfe. Sicherlich nicht gleich gut wie mit F2.8, aber es geht auch.

DSC07984_6194Ja und dann kamen wir zum Thema Blitz. Nun kam bei vielen Teilnehmern das Staunen. Wir sind draussen, tolles — OK etwas kühles — Herbstwetter, ausreichend Licht und nun schnallt der Kursleiter den Blitz auf die Kamera. Aber das Staunen wurde schnell noch grösser, als die ersten Bilder auf der Speicherkarte waren. Aufhellbitz heisst das Zauberwort. In Kombination mit indirektem Blitzen lässt sich so eben schon nochmal was raus holen und hellt eben dort auf wo sonst etwas düsteres, dunkles wäre. Für mich gehört der Blitz eh zu einem Shooting mit Personen — ohne kann ich mir schlecht vorstellen.

DSC07992_6202Im Fokus lag aber auch das Thema Bildgestaltung. Hier ein Spruch den ich anlässlich eines kleinen Vortrags einer Kollegin aufgeschnappt habe — „beim Fotografieren denke an SEX — S = Select (wähle aus) und EX = Excluse (exklusiv) — Was ist das Bildwichtige Element, darauf konzentriere Dich. Und diese Gletschsee-Kristallklaren-Eiskalten-Wunderschönen Augen muss man einfach fotografieren. Danke für diesen tollen Blick 🙂

Der Kurs war toll. Die Teilnehmer waren motiviert und waren bei der Sache. Haben dankbar alles versucht was es zu probieren gab und sich auch toll angestellt. Ich habe das eine oder andere Bild auf einem Display erhascht das mir gut gefallen hat. Der Umgang mit den Models war natürlich ungewohnt und schwierig, aber dafür ist ja der Kurs auch gedacht um das genau mal etwas zu erleben und zu üben. Und Üben ist ein guter Abschluss. Nun heisst es üben, üben, üben… Vieles war neu und das muss nun vertieft werden. Also viel Spass dabei — manchmal ist eine Leidenschaft auch etwas das Leiden schafft.

4 Kommentare

  1. Silvia Müller

    Hallo Charlie

    Eine tolle Beschreibung eines tollen Kurses! Ohne einen tollen Kursleiter hätte es nicht so toll Spass gemacht!

    Herzliche Grüsse und hoffentlich bis bald einmal in einem Basic-Kurs 🙂
    Silvia

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    1. Charlie Autor

      Merci Silvia
      Freut mich das es Dir gefallen hat und freut mich noch mehr wenn ich Dich an einem Basic-Kurs begrüssen kann. Du kannst aber auch gerne sonst nachfragen wenn was nicht klar ist oder nicht so funktioniert wie du es Dir wünscht.
      Gruessli, Charlie

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  2. René

    Vom Greenhorn zum IchWeissWasIchTue, und dies in nur einem Tag…

    Hallo zäme,

    Es war toll mit euch diesen lehrreichen Shooting-Tag erleben zu dürfen. Ich habe mich in dieser Gruppe sehr wohl gefühlt und konnte einige tolle Inputs von euch mitnehmen. Natürlich geht nix über eine solide Basis.
    Charlie hat mich als Teacher voll begeistert, in seinen Bann der Photographie gezogen und mich inspiriert Photos mal ganz anders zu betrachten.

    Somit stehe ich nun am Begin des Auf-/Ausbaus meiner neuen Fähigkeit die, wie Charlie schreibt, viel Zeit und Ausdauer abverlangt.
    Aber wo die Leidenschaft präsent ist, werden ja bekanntlich Berge versetzt.

    Just do it.

    Ein herzliches Dankschön an die 2 Engel für/und Charlie.

    Gruss René

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