Marathon Luzern

Nein, Nein… ich bin nicht zum Marathonläufer mutiert. Da muss die Hölle gefrieren das ich zweiundvierzig Komma noch was Kilometer renne. Aber mental war es eine ebenso grosse Anstrengung was ich im Rahmen eines Fotomarathon zu leisten hatte. Nun wieder etwas ernster.
Mit unserem Fotoclub stand gestern ein Fotomarathon in Luzern auf dem Programm. Du fragst Dich was ein Fotomarathon ist? Ich versuch Dir das zu erklären.

Ziel des Fotomarathons ist es in einer vorgegebenen Zeit eine Anzahl vorgegebener Themen fotografisch umzusetzen. Dabei muss die Reihenfolge eingehalten werden und es dürfen nur die kamerainternen Bearbeitungs- bzw. Stilmittel verwendet werden. Die Bilder kommen also unbearbeitet aus der Kamera. In erster Linie geht es bei einem Fotomarathon also um das Auge des Fotografen. Finde ich das Thema und kann ich es fotografisch auch noch umsetzen? 6 Stunden Zeit, 6 Themen und am Ende 6 Bilder…

Kurz nach neun Uhr haben wir uns in Luzern am Bahnhof getroffen. 11 Teilnehmer wollten sich der Herausforderung stellen und nahmen die Aufgabe in Angriff. Da wir ja ein geselliger Fotoclub sind und nun nicht jeder Teilnehmer 6 Stunden alleine durch Luzern stampfen muss, haben wir im Vorfeld bereits entschieden Zweiergruppen zu bilden. Ja und wer rechnen kann ahnt es, es gab auch eine Dreiergruppe.
Damit die Bedingungen für alle Teilnehmer die selben waren, wurden die Themen im Vorfeld durch einen befreundeten Fotografen erarbeitet, in einem verschlossenen Couvert übergeben und erst nach der Gruppenauslosung geöffnet und präsentiert. Da gab es das eine AHHHH und OHHHH.

Was mache ich zum Thema Wartezeit? Wo finde ich ein Hindernis das ich fotografisch in Szene setzen kann? Bewegung ist easy, da weiss ich was ich mache. Im Fenster ist auch nicht schwierig und zum Thema Energie wird sich in einer Stadt wie Luzern auch was finden lassen. Und Verlassen… Na mal schauen was ich da finde.

So habe ich mich gefühlt als ich die Themen gelesen habe und ich kann Dir bereits verraten das es ganz anders kam.
Meine Zweiergruppe bestand aus Herbie und, Du ahnst es, mir. Wir haben uns kurz abgesprochen, mögliche Lösungen für das eine oder andere Thema diskutiert und sind dann trotzdem ohne konkreten Plan losgezogen. Wettertechnisch präsentierte sich Luzern in einem wundervollen Spätsommertag. Das hat mich auch sehr schnell auf die Idee gebracht meine Themen in Schwarz-Weiss zu fotografieren.

Wartezeit
Wartezeit

Auf dem Weg in die Altstadt von Luzern kam ich am Schwanenplatz vorbei. Klarstellung: Ich kenne den Platz erst seit dem Foto, da ist es ja hervorragend zu lesen. Aber zurück zum Thema. Für mich waren es die Menschen die auf den Bus warteten und in Kombination mit der Anzeigetafel in Anlehnung auf die Zeit. Niemand auf dem Bild hat eine typische Wartehaltung, jeder scheint in Bewegung zu sein, aber bei der Durchsicht von ein paar Aufnahmen (wohl verstanden am Kameradisplay) hab ich dann auch noch die Ampel im Hintergrund bemerkt und so hat das Bild es in die Selektion für Thema Nummer Eins geschafft. Und die Zeit läuft…

Also haben wir uns auf zum Thema Hindernis gemacht. Da ging alles ganz schnell. Ich habe die kleine Verbindungsgasse mit dem Boller gesehen, habe mich in Position geschmissen und überlegt wie toll es wäre, wenn nun einen Person mit einem Kinderwagen oder so ähnlich da durch kommt. Und in dem Moment bog hinten der Radfahrer ein. Ich hatte auch noch ein Bild wo er besser erkennbar ist und näher am Boller, aber hier haben am Ende die beiden Personen den Ausschlag gegeben. Für den Radfahrer scheinen sie das erste Hindernis zu sein…. der Boller kommt später.

Hindernis
Hindernis

Auf der Suche nach dem nächsten Thema Bewegung kamen wir an einem Schaufenster vorbei wo ein kleines Mädchen von ihnen raus schaute und sich dabei die Nase und den Mund an der Scheibe platt gedrückt hat. Das wäre es gewesen, DAS Bild zum Thema „im Fenster“. Aber wie es die Regeln wollen, die Bilder sind in chronologischer Reihenfolge zu den Themen zu fotografieren. Oh Mann…
Aber Bewegung ist ja einfach. Da wusste ich sofort. Ich lege mich auf die Strasse der Fussgängerzone, stelle eine etwas längere Verschlusszeit ein und mach kurz ein paar Bilder von Füssen. Das habe ich auch versucht, jedoch fing es damit das es plötzlich keine Fussgänger vor meiner Linse gab. Hääää… wo sind die alle hin. Auf dem Boden liegend habe ich den Blick hinter der Kamera gehoben und da waren sie. Links und rechts von mir standen alle Passanten und haben brav gewartet bis ich mein vermeintliches Foto gemacht habe. Sonst laufen sie Dir auch immer durchs Bild und jetzt steht eine ganze Stadt still.Cool.

Bewegung
Bewegung

Und nichts war es mit schnell… ich hatte am Ende über einhundert Fotos machen müssen bevor ich mit einem einigermassen zufrieden war. War eben wieder dieser Moment wo Du denkst das ist easy und dann will es einfach nicht klappen.

Und was soll ich zum Thema „Verlassen“ fotografieren? Ich habe keine Ahnung und laufe gefühlte Stunden durch Gassen und Strassen und plötzlich ist sie da, die Eingebung. In einer Seitengasse war dieser Second Hand Laden und ich dachte: genau das ist es… Second Hand… aus zweiter Hand, die Sachen wurden von ihrem Vorbesitzer auch verlassen. Also hab ich die Kamera in Anschlag genommen und in dem Moment kam auch noch der Typ von links ins Bild. Erstes Mal, etwas gewartet und ein zweites Mal auf den Auslöser gedrückt und das Thema war im Kasten. Und es ist eines meiner Lieblingsbilder geworden.

Verlassen
Verlassen

Das Thema „Energie“ war schnell umgesetzt. Da hatte ich im Vorfeld bereits diese Elektrovelos gesehen und wusste sofort hier muss ich nochmal hin, weil ich diese Batterie als Sujet wollte. Wo waren die nochmal gestanden…  Ich hätte mir eine App laden sollen, wo ich Markierungen setzen könnte damit ich das wieder finde.

Energie
Energie

Nun wurde es aber höchste Zeit. Es fehlte noch ein Thema. Im Fenster kann ja nicht so schwer sein, denn Luzern hat ja massig Schaufenster, das Wetter ist hervorragend, es ist Samstag-Nachmittag und ich weiss das ich die Menschen fotografieren will die sich im Schaufenster spiegeln. Oh je…gefühlte Stunden und hunderte von Bildern später musste ich entscheiden.

im Fenster
im Fenster

Aus, fertig, vorbei… besser kann ich es heute nicht mehr machen. Ich habe persönliche Bestzeit erreicht, habe den inneren Schweinehund besiegt und habe meinen ersten Fotomarathon absolviert. Ich bin stolz auf meine Leistung. Und ich werde zum Wiederholungstäter.

Abschliessend haben wir uns zur Bildabgabe getroffen. Dabei hat jeder Teilnehmer seine Speicherkarte abgegeben und den Zettel auf dem die sechs Bildnummern notiert waren. Dann kam der härteste Teil… in guter Gesellschaft einen gemütlichen Abend verbringen, gut Essen und dazu ein gepflegtes Bier trinken.

2 Kommentare

    1. Charlie Autor

      Vielen Dank, Sonja. Es war eine hervorragende Schule für das Auge. Mehr solcher Aufgaben und man trainiert das fotografische Auge, bis man irgend wann einfach nur noch in allem und jedem das Motiv und die Geschichte dazu erkennt und so schnell und einfach Bildergeschichten erzählen kann.

      Antworten

was meinst Du dazu