Lange Winternächte oder der Umgang mit dem Bild-Format

Lange Winternächte nutze ich für die Bereinigung meiner Bilddatenbank.
OK, ich gestehe — auf Grund der aktuellen Bereinigung habe ich gerade gemerkt, dass ich es das letzte Mal im Winter 2010/2011 gemacht habe. Also höchste Zeit alles wieder up to date zu bringen. Aber wie sieht eigentlich mein Workflow aus? Wie verwalte ich meine Bilder und wie lege ich sie ab? Das möchte ich Dir hier gerne erläutern. Ich beanspruche nicht, die ideale Lösung gefunden zu haben aber für mich passt es und ich habe gelernt mich damit zurecht zu finden.

Photoshop und die Bridge

Aber lass mich vorne anfangen.
Als Bildbearbeitungsprogramm nutze ich Photoshop CS6. Dazu gehört auch die Bildverwaltungskomponente „Bridge“ von Photoshop und über diese Bridge importiere ich alle Bilder in meine Verzeichnisstruktur auf dem Computer.

RAW oder JPEG

Grundsätzlich fotografiere ich immer im RAW-Format. Alle Aufnahmen habe ich so als digitales Negativ und verfüge über die höchstmöglichen Bildinformationen. Das bedeutet aber auch eine grosse Datenmenge. Ein einzelnes Bild meiner Alpha900 umfasst dann 36MB. Bei einem durchschnittlichen Shooting kommen da schnell mal ein paar Gigabytes auf die Festplatte. Gut das Speicherplatz heute kein Thema mehr ist.
Der Nachteil vom RAW-Format? Ich muss jedes einzelne Bild entwickeln um es weiter verwenden zu können. Das RAW-Format eignet sich nicht für die Weitergabe an Kunden oder für Printmedien. Früher war das die Aufgabe in der Dunkelkammer, heute zum Glück einfacher und wenn nötig auch recht schnell durch Stapelverarbeitungen und schnellen Prozessoren im / am PC.

Import, Selektion und Schlagworte

Also nun komme ich vom Shooting heim und habe meine Speicherkarten in der Tasche. Die Bilder importiere ich immer in ein Verzeichnis „1_ORGINALE/1_IMPORT/xy“, wobei xy für ein neues Verzeichnis steht, damit ich auch weiss was für ein Shooting es war. Anschliessend liegen nun in diesem Verzeichnis alle RAW-Bilder von diesem Shooting. Jetzt geht es an die Sortierung, Sichtung, Löschung, usw. jedes einzelnen Bildes. Das dauert… Dabei gehe ich nach folgendem Muster vor und markiere jedes Bild nach folgenden Kriterien

  • Schade
  • Na ja
  • Sehr gut

Nach dem ersten Durchlauf werden nun alle Bilder der Kategorie SCHADE gelöscht. Hier habe ich als Fotograf definitiv alles falsch gemacht und die Aufnahme ist einfach nicht zu gebrauchen. Gut, vielleicht würde bereits der eine oder andere sagen „WOW… das isch super“… aber für mich ist die Aufnahme SCHADE.
Bilder bei denen ich noch nicht schlüssig bin fallen in die Kategorie NA JA und die Bilder die meinen Ansprüchen genügen die beschrifte ich mit SEHR GUT. So habe ich nun bereits eine erste Selektion vorgenommen. Für eine Bildreportage stelle ich nun bereits mit allen SEHR GUT Bildern eine mögliche Reportage-Serie zusammen. Dabei stelle ich fest ob mir bestimmte Sujets fehlen. Wenn ja, suche ich in den NA JA Bildern nach möglichen Kandidaten, aber nicht um jeden Preis. Die Auswahl ist getroffen und ich alle Bilder erhalten nun sogenannte Tags damit ich über Suchfunktionen auch Jahre später wieder DAS Bild finde. Nun komme ich in die Phase der Bildbearbeitung.

Bildbearbeitung

Die Bildbearbeitung gehört heute genau so zur Fotografie wie damals die Entwicklung im Labor. Die Frage ist nur wie exzesiv man die Bearbeitung betreibt. Das überlasse ich aber jedem selbst. Meine Auswahl vom Shooting geht nun in die Phase der Entwicklung. Die Bilder liegen nach wie vor im RAW-Format vor und damit kann mein Endkunde nichts damit anfangen. Also muss ich die Bilder im Minimum so entwickeln dass sie in einem Format vorliegen das weiter verwendet werden kann. Meistens das JPEG-Format. Aber mal Schritt für Schritt.

Bilder wo ich Hand anlege und Retouche betreibe, werden in Photoshop CS6 bearbeitet. Das fertige Bild wird dann mit allen entsprechenden Ebenen im PSD-Format (Photoshop-Format) gespeichert. Bilder bei denen nur Schnitt oder Kontrast oder ähnliches bearbeitet wird, werden im RAW-Konverter bearbeitet und weiterhin als RAW-Datei gespeichert.

So habe ich also nun in meinem Verzeichnis „1_ORGINALE/1_IMPORT/xy“ Bilder im RAW- und PSD-Format liegen.

Die Ausgabe

Nun erfolgt der letzte Schritt der Entwicklung und die Bilder werden ins Ausgabe-Format konvertiert. Photoshop bietet dazu den Bildprozessor an. Damit kann ich nun alle Bilder, egal in welchem Format sie vorliegen, in ein Format konvertieren und dabei auch die Ausgabe-Grösse definieren. Also werden die Bilder einmal als JPEG in voller Auflösung und bester Qualität gespeichert um eine Weitergabe an Endkunden zu ermöglichen. Weiter konvertiere ich die Bilder in der Regel auch nochmal als JPEG optimiert für das Internet. Hierfür verwende ich eine maximale Auflösung von 1024 px.

Meine Verzeichnis-Struktur

So habe ich nun in meinem Verzeichnis „1_ORGINALE/1_IMPORT/xy“ Bilder in unterschiedlichen Formaten und Grössen. Ein Bild liegt nun in max. 4 Ausprägungen in diesem Verzeichnis. Einmal als RAW-Datei, einmal als PSD-Datei, dann als JPEG in voller Auflösung und noch als JPEG fürs Web. Und genau so organisiere ich mich. Ich habe 4 identische Hauptverzeichnisse mit den entsprechenden, identischen Unterverzeichnissen:

  1. 1_ORGINALE — RAW
    1_IMPORT
    2_MENSCHEN
    3_EVENTS
  2. 2_BEARBEITET — PSD
    2_MENSCHEN
    3_EVENTS
  3. 3_JEPG
    2_MENSCHEN
    3_EVENTS
  4. 4_FÜR WEB
    2_MESCHEN
    3_EVENTS

Also bleiben die RAW-Dateien nun in dem ersten Hauptverzeichnis im entsprechenden Unterverzeichnis liegen. Die PSD-Dateien wandern ins Hauptverzeichnis 2 und so weiter…

Datensicherung

Wie schlimm ist es wenn Du alle deine Daten verlierst und z.B. keines deiner Fotos der letzten Jahre mehr hast ? Genau und da kommt Datensicherung ins Spiel. Heute gibt es ganz einfach und kostengünstige Möglichkeiten. Ich persönlich beschränke mich auf eine externe Datensicherung bei mir zu Hause. An meinem PC ist eine Datensicherung angeschlossen die sämtliche Daten laufend spiegelt. Änderung werden somit auch extern gesichert und übernommen und so entsteht ein Abbild meines Datenbestandes. Das ist schnell eingerichtet, kostet keine Unsummen und funktioniert einwandfrei. Der Nachteil in dieser Lösung: Sollte mein Büro z.B. niederbrennen (was ich nun nicht hoffe) dann ist sowhl mein PC futsch als auch meine Datensicherung. Da würde sich eine Online-Lösung anbieten.

Fazit

Ob ich nun den passenden Workflow habe… keine Ahnung. Ich habe etliche Versuche unternommen was anderes zu finden das vielleicht einfacher ist. Am Ende bin ich meinem aktuellen Workflow treu geblieben. Ich bin ein Gewohnheits-Mensch.

Wie sieht dein Workflow aus?

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