Frequenztrennung — die Beautyretusche der Profis

Gestern stand mit dem Fotoclub ein Citywalk auf dem Programm. Es ging dabei um das Thema „Gruppenbilder“… das ist aber eine andere Geschichte. Aber ich wurde gestern eben auch zu meiner Technik im Bereich Beautyretusche gefragt. Ich muss dazu sagen dass ich diese Technik nicht erfunden habe, sondern aus einem Buch von Photoshop kenne und seit ein paar Monaten anwende.

Der Vorteil dieser Technik ist dass keine Strukturen im Bild verloren gehen. Speziell im Bereich von Hautporen ist es immer wieder ein Problem dass durch den Einsatz von entsprechenden Weichzeichnungsfilter eben auch Hautstrukturen verloren gehen. Das muss nicht sein und mit der Technik der Frequenztrennung ist das auch nicht der Fall.

Also widmen wir uns mal einem Ausgangsbild. Durch Klick auf das Bild bekommst du eine vergrösserte Ansicht. Das Bild von Christine ist ja bereits perfekt, was will man hier noch bearbeiten ?CHR_1Ich bin mit Dir einverstanden. Christine ist perfekt, da passt alles von Haus aus. Aber trotzdem gab es zwei, drei Kleinigkeiten die ich in diesem Bild gerne retuschieren möchte. So störte mich die leichte Glanzstelle an der Stirn und Nasenspitze, ein paar Hautirritationen und die dezenten Augenringe. Und damit ich bei diesen Retuschearbeiten keine Hautstrukturen verliere wende ich dazu die entsprechende Technik an.

Also starten wir

Das Bild wurde als RAW-Datei aufgenommen und in Photoshop geöffnet. Bisher wurde das Bilder lediglich im Bildausschnitt angepasst.
CHR_2Die Hintergrundebene wird nun zweimal mit der Tastenkombination CTRL+J kopiert. Die erste Kopie benenne ich in „Farbe“ den hier erhalten wir uns alle Farb- und Tonwerte. Die 2. Kopie bekommt den Namen „Strukturen“ auf der alle Strukturinformationen erhalten bleiben.

Die Farbwerte erhalten

Auf der Ebene „Farbe“ will ich nun alle Farb- und Tonwertinformationen behalten, aber keine Strukturen sehen. Als erstes deaktiviere ich das Augensymbol der Ebene „Strukturen“ um mein nachfolgende Einstellung besser beurteilen zu können. Nun markiere ich die Ebene „Farbe“ und wähle mir unter Filter/Weichzeichnungsfilter/… den Gauscher Weichzeichner… aus.
CHR_3mit einer Einstellung von 10px bestätige ich den Dialog.
CHR_4Nun haben wir auf dieser Ebene alle Strukturen „vernichtet“ und haben nun noch die Farbinformationen. Das reicht nun auch fürs erste bereits aus. Wichtig ist, das Du Dir den Wert merkst den Du beim Gauschen Weichzeichner verwendet hast (also in meinem Beispiel 10px) denn diesen Wert brauchen wir später noch.

Strukturen schützen

Im nächsten Schritt geht es nun darum das wir uns die Strukturen (und eben nur die Strukturen) schützen. Dazu aktiviere ich als erstes die Ebene „Strukturen“ wieder um alles in der Vorschau auch zu sehen. Dann geht es weiter über Bild/Korrekturen/Helligkeit-Kontrast…
CHR_5der nachfolgende Dialog ist wichtig und die Schritte müssen eingehalten werden, sonst klappt es nicht richtig. Also nun aufpassen.
CHR_6Zuerst klickst du auf die Checkbox „Früheren Wert verwenden“ und aktiviere diese Box. Dann stellst Du unter Kontrast den Wert -50 ein. Bestätige den Dialog mit OK.  Das Bild wird nun so milchig grau — passt, das ändern wir gleich.

CHR_7Geh nun auf Filter/Sonstige Filter und wähle hier den Hochpass-Filter aus. Im Dialogfenster zu diesem Filter stellst du nun den gleichen Wert ein wie auf der Ebene „Farben“ beim Gauschen Weichzeichner… ich habe ja gesagt du musst Dir den Wert merken. In meinem Fall sind es die erwähnten 10px.

CHR_7.1Bestätige den Dialog.

CHR_8Nachdem wir nun die Strukturen im Bild komplett separiert haben schaffen wir uns die Basis für das weitere Vorgehen in dem die Ebene in die Ebene-Füllmethode „Lineares Licht“ gesetzt wird.
Wenn Du nun auf der Hintergrund-Ebene mit gedrückter ALT-Tase klickst deaktivierst Du die oberen Ebenen und es sollte kein Unterschied ersichtlich sein. Dann hast du alles richtig gemacht und wir starten mit der Hautkorrektur.

Die Hautirritationen verschwinden

als erstes widme ich mich mal den Hautirritationen. Dazu arbeite ich auf der Strukturen-Ebene und verwende als Werkzeug den Kopierstempel.

CHR_9Achte darauf das Du als Aufnahmebereich nur die „Aktuelle Ebene“ eingestellt hast. Und da ich nun ja nur auf der Ebene arbeite auf der die Strukturen sind, kopiere ich demzufolge eben auch nur Strukturinformationen und keine Farbinformationen. Herrlich, so macht Photoshop Spass. Ich nehme nun mit gedrückter ALT-Taste einen Bereich auf der „in Ordnung“ ist und kopiere so die unerwünschten Hautirritationen weg. Als Werkzeug kann auch der Bereichs-Reparatur-Pinsel dienen, jedoch bevorzuge ich den Stempel, weil ich mehr Kontrolle habe, wo der Referenzbereich für das Kopieren her stammt. Und so stemple ich mich nun mal durchs Bild — bis später.

Farbe einfach aufmalen

Den Pickel rechts am Mund und ein paar Irritationen im Bereich der Haut haben wir nun entfernt. Nun kommt ein toller Aspekt dieser Technik. Da wir ja die Farbinformationen und die Strukturinformationen im Bild getrennt haben, können wir nun auch im Bild malen, ohne das wir dabei Strukturen verlieren. Also kümmere ich mich nun um die Augenringe und die Glanzstellen bei Stirn und Nase.

CHR_10Dazu lege ich mir einfach eine leere Ebene zwischen die Farbe- und Strukturen-Ebene und nenne sie mal „Kosmetik“.

CHR_11Nun wechsle ich auf das Pinselwerkzeug und stelle mir eine weiche Kante ein. Mit gedrückter ALT-Tase kann ich nun in das Pipetten-Werzeug wechseln und mir schnell eine Farbe aus dem Bild auswählen und damit malen. WICHTIG — ich arbeite jeweils mit ca. 15% Deckkraft beim Pinsel und male lieber öfters über die entsprechende Stelle.

CHR_12

So bleiben sämtliche Strukturen im Bild vorhanden. Man kann damit Lippenstift auftragen, die Augenfarbe ändern oder intensivieren, etwas Rouge auftragen, den Haaransatz dunkler färben… eigentlich sind keine Grenzen gesetzt.

CHR_13

Und hier nach dem Finish nun noch ein Vergleich. Links – Vorher und Rechts – Nachher.

Viel Spass beim ausprobieren und ich bin gespannt wie Du die Technik anwendest. Freue mich auf deinen Kommentar.

Ein Kommentar

  1. Gere

    Endlich habe ich die Zeit gefunden diese Technik auszuprobieren.
    Ablauf ist super erklärt und kann 1:1 umgesetzt werden. Das mit dem Schminken (Wangensrouge) und so ist dann doch noch eine Übungssache bis es natürlich aussieht.
    Danke für den Beitrag
    Gere

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