Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins

Ich sitze nun eine gefühlte Ewigkeit vor meinem Notizblock und versuche mir den roten Faden zum heutigen Thema zu skizzieren. Ja, ich skizziere mir auf einem Notizblock den groben Aufbau eines Artikels, aber heute komme ich mir vor wie einer der Schriftsteller aus einem Film, der sich nach ein paar Worten das Papier vom Block reisst, zusammenknüllt und in den Papierkorb wirft. Habe ich eine Schreibblockade ?

Eigentlich ist das Thema klar.
Am Mittwoch durfte ich anlässlich des Treffens im Fotoclub Teil eines Dialogs sein zum Thema Hosensack-Fotografie. „Spinnt der Blogger nun komplett ? Was zum Teufel soll den Hosensack-Fotografie sein ?“

Es ist die Leichtigkeit des Seins

Also lass mich Dir das mal von Anfang an erklären.
Ursprünglich hat Edith sich Sorgen gemacht dass sie in unserem Club keinen Beitrag leisten kann weil sie technisch keine Ahnung hat von dem was sie tut (ich übertreibe nun mal ein wenig) und hat sich mit einem Mail an mich gewandt. Ich konnte sie schnell vom Gegenteil überzeugen. Ihre Bilder überzeugen mich durch ihre Leichtigkeit und durch ihren Blick. Klar, nicht alles von ihr gefällt mir, aber ich freue mich immer aus welchen Situationen sie es schafft mich dazu zu bewegen ihre Bilder anzuschauen. Da werden kleine Törtchen fotografiert während sie die letzten Minuten im Ofen ausharren müssen — eine fast unerträgliche Leichtigkeit des Seins die mir entgegenschlägt.

widme Dich der Liebe und dem Kochen mit wagemutiger Sorglosigkeit – Dalai Lama

Ich gehöre heute zur Fotografen-Sorte der seine Aufgabe sehr strukturiert umsetzt. Ich plane mein Vorhaben minutiös und konsequent und bin dabei sehr auf mein Resultat fokussiert. Es ist selten „gut genug“ und ich finde das Haar in der Suppe in dem was ich gemacht habe. Was ich in den letzten Jahren verloren habe ist eben diese Leichtigkeit des Seins.

The-Fog

Als ich mit der Fotografie begann, war der Fotoapparat (damals noch eine analoge Canon AE-1) ein ständiger Begleiter. Klar hat mich die Technik begeistert und ich habe mich dafür interessiert, aber in erster Linie war es einfach die Freude den Moment den ich gerade sehe oder die Idee hinter einer Szene auf Film zu bannen. Ob ich nun den richtigen Film eingelegt hatte, oder ob der Bildschnitt, der Bildaufbau perfekt war — egal. Ich hatte am Ende einfach viele Bilder und freute mich darüber wenn nach dem Entwickeln auch noch eines dabei war, dass für mich nur annähernd „gut“ war. Es gab keinen Moment den ich ausgelassen habe.

Heute plane ich meine Einsätze. Einfach so spontan habe ich die Kamera  nie dabei. Das liegt auch nicht an der Grösse der Spiegelreflex oder am Equipment. Wäre es die Kamera, hätte ich mir schon längst eine Kompakte geholt, die sind ja heute in einem qualitativem Segment zu Hause das nahezu an die „Grossen“ rankommt. Es ist einfach nicht so recht zu erklären — ich habe keinen Plan also nehme ich auch keine Kamera mit !!

Frei – Unbeschwert – Grenzen durchbrechend

Was ist denn nun Hosensack-Fotografie ?
Es geht genau um diese Unbeschwertheit, um diese Passion, um den Augenblick, um die Kreativität, um die Freiheit den Plan eben Plan sein zu lassen, es geht um die Leichtigkeit des Seins ohne dass es unerträglich ist, es geht für mich darum einfach wieder spontaner zu fotografieren.

SONY DSCDiese Gedanken beschäftigen mich nicht erst seit vergangenem Mittwoch. Es ist ein schleichender Prozess. Vermutlich hat es auch mit dem Umstand zu tun, dass ich meine Fotos nicht nur ausschliesslich für mich mache. Auf Bestellung Bilder zu liefern ist hart verdientes Brot – erst recht, wenn man sehr pedantisch ist, gerne alles plant und eigentlich geht es ja immer noch etwas besser… Die Grenzen vermischen sich und aus dem besagten Spass wird plötzlich sehr schnell eine mühsame Geschichte.

Also löse ich mich von der Last, immer auf der Suche nach der Perfektion und mache einen grossen Schritt zurück. Weniger kann doch so viel mehr sein. Ob es mir gelingt mich zu entwickeln wird sich zeigen. Ich arbeite daran.

 

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