Das Spiel mit der Kugel

Schon lange hatte ich die Idee mir eine Glaskugel zu zulegen. Weniger mit dem Hintergedanken daraus die Zukunft zu deuten oder mir die Lottozahlen zu lesen. Vielmehr natürlich zum Fotografieren. Anlässlich eines bevorstehenden Workshops zum Thema „Täuschungen“ war es soweit und ich habe Kugeln bestellt.

Heute sind die Kugeln angekommen und natürlich musste ich das mal ausprobieren.
Eigentlich war ich mir sicher — das kann ja nicht allzu schwer sein — aber wie meistens in solchen Fällen liegt genau dann die Schwierigkeit im Detail. Aber dazu später mehr.

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Zur Kugel möchte ich erwähnen, dass es sich um eine Qualitätskugel handelt die Schlieren frei und ohne jegliche Luftblasen-Einschlüsse ist. Nur damit lassen sich einwandfreie Aufnahmen realisieren. Bezugsquelle in der Schweiz habe ich keine gefunden und so habe ich beim Nachbarn bestellt — über eine Plattform die einen ähnlichen Namen trägt wie ein Strom in Südamerika (Amazonas). Einfach nach Glaskugel in fotografischer Qualität suchen.

Lochblech als Hintergrund

Für meinen ersten Versuch habe ich das Lochblech als Hintergrund verwendet. Der Aufbau war wie folgt:

  1. Als Untergrund habe ich mir beim Schreiner kürzlich einen Abschnitt einer Hochglanz-Küchenfront geholt. Die Spiegelung ist perfekt — besser als bei einem Spiegel. Bei einem Spiegel ist zwischen Oberfläche und der effektiven Spiegelfolie eine Glasscheibe, was dazu führt das Objekte den Eindruck bekommen zu schweben. Also nichts für mich.
  2. Das Lochblech aus dem Baumarkt stelle ich hinter die Glaskugel und achte darauf das sie nicht zu stark kippt (schräg steht)
  3. Nun habe ich einen grossen Diffusor hinter das Lochblech gehängt — gut wenn man über ausreichend Stative verfügt. Ziel ist einfach das Licht etwas weicher zu halten.
  4. Nun habe ich noch das Licht aufgestellt. In meinem Fall einen Studioblitz mit Vorsatz und Farbfolien — geht aber auch mit einem externen Systemblitz der über einen Fernauslöser gezündet wird.
  5. So und dann die Kamera aufs Stativ und los geht’s….
… Moment — die Kugel bleibt nicht liegen.
Das Problem lösen wir ganz elegant mit etwas Salz. Ein paar Salzkörner auf die Stelle wo die Kugel liegen soll und die Kugel drauf setzen. Durch ihr Gewicht und die Salzkörner platziert sie sich fast von alleine. Die übrigen Salzkörner einfach kurz wegpusten und los geht’s (zum Wegpusten nehme ich übrigens kurz den Blasebalg des Kamerareinigungs-Sets, weil schnell ein paar Tropfen auf dem Untergrund oder der Kugel sind — und man sieht ALLES).
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Und mit ALLES sehen meine ich auch alles. Die ersten Versuche scheiterten daran das ich Dödel natürlich die Kugel in den Fingern hatte — und so waren meine Fingerabdrücke zu sehen. Also Kugel polieren und auf ein Neues.
Scharfstellung mittels Autofokus ist kaum machbar da ich wenig Umgebungslicht hatte und so der Autofokus kaum Kontrast findet auf die er sich beziehen kann. Also manuell scharf stellen ist angesagt — und da sind wir bereits beim nächsten Problem. Auf was soll scharf gestellt werden ? Kein Ahnung — aber am Ende habe ich herausgefunden dass es meinem Auge am meisten schmeichelt, wenn ich den Hintergrund ebenfalls etwas mit in die Schärfe einbeziehe. Aber probiere es einfach für Dich selbst aus.
Die Grösse der Löcher in der Kugel kannst du variieren mit dem Abstand zum Hintergrund.
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Zweites Set — Lochblech als Untergrund

Beim zweiten Aufbau soll die Kugel auf dem Lochblech liegen und das Licht soll von unten kommen. Der Aufbau dafür war wie folgt:

  1. Eine transparente Box aus Kunststoff habe ich links und rechts auf eine Erhöhung gestellt, damit ich das Licht darunter auch platzieren kann und jederzeit noch dazu komme.
  2. Auf die Box habe ich eine Kunststoff-Platte gelegt die milchig transparent ist — aber es geht auch ein weisses Tischtuch oder ein Diffusor — auch hier wieder mit dem Ziel, das Licht weicher zu machen.
  3. Nun das Lochblech drauf
  4. Unter die Kunststoff-Box habe ich meinen Systemblitz mit Fernauslöser gelegt
  5. Salz brauchst du nicht, weil die Kugel auf dem Lochblech wunderbar liegt.

So konnte ich nun verschieden Lichtsetups ausprobieren und auch jede Menge Farbfolien vor meinen Blitz klemmen um einfach auszuprobieren was passiert.

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Mit dem Kamerastandpunkt spielen und schnell war ein tolles Portfolio an aussergewöhnlichen Bildern zusammengestellt.
In einem weiteren Schritt habe ich dann auch herausgefunden dass ich sehr wohl Umgebungslicht haben kann und so auch mit dem Autofokus arbeiten konnte. Solange ich die Verschlusszeit über 1/100sec. hielt war es bei mir im Studio auf dem Bild immer dunkel.

Alle Bilder sind mit dem 105mm Makro von Nikon gemacht. Verschlusszeiten ca. 1/250 sec. bei ISO 100. Blende zwischen f18 und f32 für ausreichend Tiefenschärfe.

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So, damit lass ich die Kugel nun zurück in ihre Kiste hüpfen wo sie auf ihren nächsten Einsatz warten darf.
Ich bin überzeugt dass ich hier noch ein paar Shots ausprobieren werde und die Kugel auch noch bei anderen Gelegenheiten zum Einsatz kommen wird.

2 Kommentare

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